Unsere Sommerpause endet bald. Zum Auftakt unseres Herbstprogramms besucht uns am Samstag, den 5. September – im Jahr seines 75. Geburtstags – der australische Geiger Jon Rose mit seinem Projekt Colophony. Mit dabei sind der Bassist Meinrad Kneer und der Elektroniker Richard Barrett.
Kurzfristig möglich geworden ist ein besonderes Konzert am Dienstag darauf: Das japanische Trio Kasokeki Toki lädt uns zu einem flüchtigen Moment, einem Kasokeki Toki ein: einfach da zu sein und Musik zu erleben, die einfach und ohne Vorbedingungen entsteht und verschwindet - die Spur eines flüchtigen Augenblicks ...
Unser (aktualisiertes!) Herbstprogramm kann als pdf-Terminübersicht heruntergeladen werden: OffeneOhren_eV_Vorschau_Herbst2026.pdf
Bis bald, Offene Ohren!
Jon Rose, Violine, Tenorvioline (AUS)
Richard Barrett, Elektronik (GB)
Meinrad Kneer, Bass (D)
Foto © Bärbel Schnellen
2012 kamen Jon Rose, Meinrad Kneer und Richard Barrett in Berlin erstmals in dieser Formation zusammen. Die Wucht und musikalische Dichte der Begegnung überzeugten Musiker wie Publikum – der Entschluss, als Trio weiterzuarbeiten, fiel noch am selben Abend. Seither erforschen sie die spontanen Verflechtungen von Streichinstrumenten und Elektronik.
Die Empfindsamkeit aller drei Künstler für Timbre und Form lässt eine Musik entstehen, die akribisch das mikroskopische Leben einer Textur erkundet oder spontan zwischen feinen Klangnuancen und rauen Kollisionen hin- und herspringen kann.
Der Improvisationskünstler Jon Rose (1951) spielt Violine, (selbstgebaute) Streichinstrumente aller Art und sogar Drahtzäune, die er mit dem Geigenbogen zum Klingen bringt. Der Wahlaustralier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren mit unterschiedlichsten musikalischen Genres und wurde zu einer prägenden Figur der australischen Improvisationsszene.
Seit Anfang der 1980er-Jahre entwickelt Jon Rose sein Langzeitprojekt „The Relative Violin“ als Gesamtkunstwerk (total artform), das neue Instrumentenformen, Spieltechniken und interaktive Elektronik umfasst. Eng damit verbunden ist sein Rosenberg Museum, das unter anderem selbstgebaute und neu konzipierte Streichinstrumente beherbergt.
Jon Rose arbeitet zudem als Autor, Kurator und Hörspielmacher. Er hat mit zahlreichen Größen der internationalen Improvisationsszene kooperiert.
Meinrad Kneer(1970) ist Kontrabassist, Komponist, Improvisator, Bandleader sowie Labelbetreiber. Musikalisch bewegt er sich zwischen Jazz, improvisierter, zeitgenössischer und ethnischer Musik. Nach seinem Studium in Hilversum und Amsterdam lebte er in den Niederlanden, 2012 zog er dann nach Berlin. Seine stilistische Vielseitigkeit führte zur Zusammenarbeit mit Musiker*innen verschiedenster Stilrichtungen. Er trat u.a. mit folgenden Ensembles auf: Ab Baars Quartet, Henneman String Quartet, KNM Ensemble, Ensemble Resonanz und Marc Sinan Company. Seit 2006 betreibt er das Label für improvisierte Musik „Evil Rabbit Records“. Seit 2025 ist er künstlerischer Leiter des neu gegründeten Festival für aktuelle Musik FEST:Spiele Oberschwaben, das er gemeinsam mit Susanne Fröhlich und Marc Sinan kuratiert.
Richard Barrett (1959) ist international als Komponist und improvisierender Musiker tätig und hat mit zahlreichen führenden Interpret*innen in beiden Bereichen zusammengearbeitet. In seinen Werken und musikalischen Ideen verlieren die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation zunehmend an Bedeutung. Im Bereich Neue Musik arbeitet er seit 1990 regelmäßig mit dem australischen ELISION Ensemble zusammen und ist zudem im Elektronik-Duo FURT mit Paul Obermayer aktiv. Seit 2003 spielt er regelmäßig im Evan Parker Electro-Acoustic Ensemble. Richard Barrett studierte Komposition und lehrt heute am Institut für Sonologie in Den Haag. Außerdem ist er Professor für Research in Creative Music an der Universität Leiden; zuvor hatte er eine Professur an der Brunel University in London.
Colophony wird von Creative Australia, der nationalen australischen Kulturförderinstitution, gefördert.

Dieses Konzert wird u.a. ermöglicht durch den Programmpreis Applaus, mit dem der Offene Ohren e.V. im November 2025 ausgezeichnet wurde.
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Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Kanon Aonami, Saxofon (J)
Fumi Endo, Piano (J)
Toru Nishijima, Kontrabass (J)
Foto © Nishioka Hiroki
Das japanische Trio „Kasokeki Toki“ (Ein flüchtiger Moment) wurde 2022 auf Initiative von Toru Nishijima gegründet. Der Name verweist auf einen Augenblick, der so flüchtig ist, dass er beinahe schon wieder verschwunden ist.
Das Trio versucht, die Beziehung zwischen Ort, Raum und den darin anwesenden Menschen hörbar zu machen; dabei bewegt es sich zwischen Komposition – die als eine Art Rahmen dient – und freier Improvisation. Nicht um etwas „auszudrücken“, sondern einfach um zu „sein“.
Jedes der drei Mitglieder bewegt sich in seiner eigenen, unabhängigen Welt – ohne einander etwas zu erklären, ohne einander zu vervollständigen, ohne Hierarchie – und doch existieren diese drei unabhängigen Welten gleichzeitig. Entscheidend ist nicht das, was geschehen soll, sondern das, was von selbst geschieht: Klänge entstehen, als wären sie immer schon dagewesen, und verschwinden, bevor man es bemerkt.
„Einfach präsent sein, genau hinhören, warten.“ Zwischen Kontrolle und Hingabe verweilen, zwischen Absicht und dem, was einfach geschieht. Was sich daraus entwickelt, bleibt offen – für Musiker und Zuhörer gleichermaßen. Kasokeki Toki ist nichts Abgeschlossenes, sondern die Spur von etwas im Entstehen – die Bewegung des Klangs, bevor er Bedeutung erhält, sowie die Zeit und der Raum, die diesem Moment unmittelbar vorausgehen.
Toru Nishijima wurde 1973 in Tokio geboren. Er begann im Alter von fünf Jahren Geige zu spielen und wechselte während seiner Highschool-Zeit zum Bass. Mit Jazz und argentinischem Tango als musikalische Grundlage arbeitet er seit vielen Jahren in unterschiedlichen Ensembles und Projekten der japanischen Musikszene. Dabei ist er genreübergreifend in einem breiten musikalischen Spektrum tätig. Seit 2014 hat er mehrere CDs in unterschiedlichen Besetzungen veröffentlicht, vom Solo bis zum Quartett, zuletzt 2024 mit seinem eigenen Trio-Projekt Kasokeki Toki.
Kanon Aonami, 1994 in Yokohama geboren, ist Altsaxofonistin und Komponistin und bewegt sich zwischen Jazz und improvisierter Musik. Neben freien Improvisationen spielt sie auch eigene Kompositionen. Im Februar 2026 war sie gemeinsam mit Fumi Endo Teil eines Ensembles des dänischen Gitarristen Jakob Bro und spielte mit ihm, Chris Speed, Thomas Morgan und Mads Emil Nielsen sechs Konzerte in Dänemark. Bro hatte Aonami und Endo zuvor live in Tokio gehört und sie daraufhin für das Projekt eingeladen.
Fumi Endo (1993) tritt seit 2017 auf und bewegt sich als Pianistin zwischen freier Improvisation, experimenteller Musik und Jazz. Charakteristisch ist ihre unverwechselbare, minimalistische Spielweise. 2023 erschien ein Interview mit ihr im japanischen Online-Musikmagazins JazzTokyo.
Kasokeki Toki wird gefördert durch Arts Council Tokyo (Startup Grant).

Dies ist die erste Tournee des Trios außerhalb Japans und zugleich sein Deutschland-Debüt in München. Hörbeispiele: Kasokeki Toki (幽けき刻) – Toru Nishijima, Kanon Aonami & Fumi Endo, Relativa Records, 2024. [Auf YouTube anhören]
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Jan Roder, Bass (D)
Ignaz Schick, Alt- und Tenorsax (D)
Oliver Steidle, Schlagzeug (D)
Foto © Viola Förster von der Lühe
Dieses Akustik-Trio besteht aus drei wichtigen Musikern der heutigen Berliner Jazz-, Improvisations- und Experimentalmusikszene. Normalerweise ist Ingebrigt Håker Flaten der Bassist des Trios; aus terminlichen Gründen übernimmt Jan Roder bei einem Teil der aktuellen Tour seinen Part.
Auch diese drei Musiker kennen sich seit Jahren aus unterschiedlichen musikalischen Konstellationen Soko Steidle, Die Dicken Finger, Die Feuchte Hand, SSRF, …), in dieser Besetzung spielen sie jedoch zum ersten Mal zusammen.
Das lyrisch-energetische Altsaxofon von Ignaz Schick trifft auf den heftig pulsierenden Bass von Jan Roder und das rhythmisch extrem ausdifferenzierte Schlagzeugspiel von Oliver Steidle. Dieses wunderbar frische Trio hat sich ganz den Wurzeln des Free Jazz und der freien Improvisation verschrieben.
Die daraus resultierende Musik ist pur, melodisch, rhythmisch, energiegeladen, überraschend und in der Tradition verwurzelt.
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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In dieser vielschichtigen Begegnung treffen das taiwanesische Ensemble 3PEOPLEMUSIC und der Münchner Improvisator Gunnar Geisse im Raum der freien Improvisation erstmals aufeinander.
3PEOPLEMUSIC bringt die facettenreiche Klangwelt ostasiatischer Instrumente in einen zeitgenössischen Kontext und öffnet sie für neue experimentelle Spieltechniken.
Im Zusammenspiel mit Gunnar Geisse, der mit seiner spartenübergreifenden Ästhetik und seinem elektroakustischen Instrumentarium komplexe Klangtexturen webt, entsteht ein dynamischer Dialog. Gemeinsam erkunden die vier Performer das Spannungsfeld zwischen akustischem Ursprungsklang, elektronischer Transformation und dem unvorhersehbaren Moment – ein spontanes, im Augenblick entstehendes Hörerlebnis.
三個人 - Sān gèrén - 3PeopleMusic
JEN Chung, Dizi und Xiao (chinesische Bambusflöten) [Taiwan]
KUO Jing-mu, Guzheng (chinesische Zither)[Taiwan]
PAN I-tung, Zhongruan (chinesische Laute) [Taiwan]
Foto © Eric Van Nieuwland
3PEOPLEMUSIC ist ein einzigartiges Kammermusik-Ensemble, das sich aus drei Musikern zusammensetzt, die auf traditionelle chinesische Instrumente spezialisiert sind: dem Guzheng-Künstler KUO Jing-mu, der Zhongruan-Spielerin PAN I-tung und dem Dizi- und Xiao-Interpret JEN Chung. Die Gruppe verbindet fundiertes Fachwissen über klassische chinesische Musik mit zeitgenössischen Perspektiven.
Seit seiner Gründung im Jahr 2013 entwickelt 3PEOPLEMUSIC neue künstlerische Möglichkeiten für traditionelle chinesische Instrumente in der aktuellen taiwanesischen Musikszene. Dabei verbindet das Ensemble traditionelle Spielweisen mit neuen Aufführungsformen und kompositorischen Ansätzen.
Das Trio arbeitet mit einem breiten Klangspektrum und einem Repertoire, das unterschiedliche Stile und Genres umfasst. Seine Arbeit reicht von Improvisation und genreübergreifenden Formaten bis zu zeitgenössischen Werken und Weltmusik und macht unterschiedliche Möglichkeiten im Umgang mit traditioneller Musik und traditionellen Instrumenten hörbar.
In den letzten Jahren trat 3PEOPLEMUSIC sowohl in Taiwan als auch international auf, darunter beim Kunstfest Weimar und bei der Kultur-Olympiade in Paris 2024 sowie im Rahmen einer Kanada-Tournee im Jahr 2025.
Hörbeispiele auf YouTube: www.youtube.com/user/3peoplemusic
Gunnar Geisse, Laptop-Gitarre
Foto © Werner Siebert
Gunnar Geisse ist Musiker, Improvisator, Komponist und Performer im Bereich der experimentellen und improvisierten Musik, der Elektronik sowie der Neuen Musik. Er hat ein komplexes Instrumentarium entwickelt, das aus E-Gitarre, elektronischer Klangerzeugung und digitaler Signalverarbeitung besteht und das er als „Laptop-Gitarre“ bezeichnet.
Die Bedeutung seines Ansatzes wird in dem Buch Musik und Wirklichkeit(Schott) des Musikphilosophen Harry Lehmann erörtert und theoretisch reflektiert.
Geisse hat mit nahezu allen renommierten deutschen Sinfonieorchestern sowie mit internationalen Improvisatoren und Künstlern aus aller Welt zusammengearbeitet, darunter Eivind Aarset, Richard Barrett, Peter Brötzmann, Marc Ducret, Vinko Globokar, Barry Guy, Joëlle Léandre, George Lewis, Phil Minton, David Moss, Olga Neuwirth, Lauren Newton, Phill Niblock, Evan Parker, William Parker, Giancarlo Schiaffini, Elliott Sharp, Markus Stockhausen, Mike Svoboda, Gary Thomas und Wu Wei.
Seine Arbeit als Komponist und Interpret ist auf über 40 CDs sowie in 30 Hörspielen dokumentiert. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen die Präsentation seines Stücks rhythm changes durch das IRCAM an der New York University im Rahmen des IRCAM-Forums in New York, elektronische Transformationen von Werken Bartóks und Debussys mit den Münchner Philharmonikern sowie seine bei NEOS erschienene Solo-CD Triptych.
Das Taiwan Improvisationsprojekt wird vom taiwanesischen Kulturministerium unterstützt
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Frantz Loriot, Viola (F/CH)
Marina Tantanozi, Querflöte, Bassflöte (GR/CH)
Philipp Eden, Piano (CH)
Foto © Dovile Sermokas
Das 2021 in Zürich gegründete Trio von Philipp Eden, Frantz Loriot und Marina Tantanozi erkundet mit der besonderen Besetzung aus Klavier, Bratsche und Flöten die Möglichkeiten akustischer Improvisation. Seine Musik ist geprägt von Zuhören, Bewegung und Resonanz.
Im Laufe der Jahre hat das Trio durch seine regelmäßigen Proben einen gemeinsamen künstlerischen Raum entwickelt, der von Vertrauen, Offenheit und Neugier geprägt ist. In einer kontinuierlichen improvisatorischen Praxis erkunden die drei Musiker*innen die Intensität des Klangs als Gestus in einem rein akustischen Kontext – mit besonderer Sensibilität für Raum, Stille und die körperliche Dimension des Klangs.
Dabei haben sie eine nicht-hierarchische Spielweise entwickelt, in der jede Stimme gleiches Gewicht besitzt. Die Musik entfaltet sich in drei eigenständigen Linien, die nebeneinander verlaufen: Jede behält ihre Autonomie, bleibt aber tief auf die anderen Stimmen abgestimmt.
Anstatt zu einer einzigen Stimme zu verschmelzen, kultiviert das Trio ein feines Gleichgewicht zwischen Unabhängigkeit und Verbindung. So kann sich die Musik mit einer leisen Unvorhersehbarkeit entwickeln.
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Paul Lytton, Schlagzeug (GB)
Ken Vandermark, Tenorsax, Klarinette (USA)
Nate Wooley, Trompete, Elektronik (USA)
Fotos © Hannes Schneider
Paul Lytton, Nate Wooley und Ken Vandermark arbeiten seit vielen Jahren in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Erste gemeinsame Aufnahmen als Trio entstanden 2011 und wurden 2012 auf der Doppel-CD The Nows veröffentlicht. Vandermark und Wooley arbeiten seit 2013 zudem als Duo und haben mehrere gemeinsame Alben eingespielt.
Ab 2022 etablierte sich die Trioformation mit Tourneen und Festivalauftritten in den USA und Europa. Weitere gemeinsame Konzerte folgten 2023 und 2024. Im Zusammenhang mit der Europatour 2024 entstanden neue akustische und elektroakustische Aufnahmen des Trios. Auch 2026 sind die drei wieder mit Konzerten in Europa unterwegs.
Im Zentrum steht eine freie, unmittelbar entstehende Musik, in der drei eigenständige Stimmen aufeinandertreffen. Paul Lyttons Schlagzeugspiel löst sich weitgehend von einer traditionellen rhythmischen Funktion und arbeitet mit Klangfarben, Resonanzen und Texturen. Ken Vandermarks Saxofone und Klarinetten setzen Linien, Flächen und abrupte Richtungswechsel, während Nate Wooley die Trompete weit über ihren konventionellen Ton hinaus erkundet. So entstehen dichte Passagen ebenso wie offene Räume – eine Musik, deren Struktur sich im Zusammenspiel entwickelt.
Paul Lytton (*1947 in London, GB) ist ein britischer Schlagzeuger, Perkussionist und Improvisator. Seit den späten 1960er-Jahren zählt er zu den prägenden Musikern der europäischen Free-Improvisation-Szene. Bekannt wurde er zunächst im Duo und später im Trio mit dem Saxofonisten Evan Parker; zudem war er Gründungsmitglied der London Musicians’ Cooperative und spielte im London Jazz Composers’ Orchestra. Als Instrumentenbauer und früher Anwender von Live-Elektronik entwickelte er ein eigenständiges, erweitertes Verständnis von Schlagzeug und Perkussion. Seit den 1970er-Jahren arbeitet er in zahlreichen internationalen Formationen, unter anderem mit Paul Lovens, Barry Guy sowie mit Ken Vandermark und Nate Wooley.
Ken Vandermark (*1964 in Rhode Island, USA) ist ein international profilierter Saxofonist, Klarinettist, Komponist und Improvisator. Seit den frühen 1990er-Jahren arbeitet er von Chicago aus und zählt zu den prägenden Stimmen der internationalen Improvisations- und Avantgarde-Szene. In zahlreichen Projekten verbindet er freie Improvisation mit komponierten Strukturen. Neben seiner künstlerischen Arbeit ist er als Kurator, Autor und Organisator tätig. Er ist Mitbegründer und Leiter der Musikerkooperative Catalytic Sound und veröffentlicht eigene Projekte über sein Label Audiographic Records. 1999 wurde er für seine musikalische Arbeit mit einem MacArthur Fellowship ausgezeichnet.
Nate Wooley (*1974 in Oregon, USA) ist ein renommierter Trompeter, Komponist und Improvisator. Seit den frühen 2000er-Jahren zählt er zu den prägenden Stimmen der internationalen Creative-Music- und Avantgarde-Szene. In seinen Soloarbeiten und Ensembleprojekten erweitert er die klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten der Trompete und bewegt sich zwischen Improvisation, experimenteller Musik und zeitgenössischer Komposition. Neben seiner künstlerischen Arbeit ist er als Kurator und Autor tätig und engagiert sich für die Entwicklung und Vermittlung neuer Formen zeitgenössischer Musik. Seit Mai 2026 ist er Artistic Director des New Yorker Labels Pyroclastic Records.
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Es ist fast schon ein kleines Festival, das hier im MUG stattfindet: Drei renommierte Berliner Improvisatoren kommen in (mindestens!) zwei Duos und erstmals auch als Trio auf die Bühne, womit die etwas wunderliche Arithmetik des Titels erklärt wäre. Ein vielfältiger Abend erwartet uns also!
Andreas Willers, Gitarre (D)
Matthias Bauer, Bass (D)
Matthias Müller, Posaune (D)
Foto links © Matthias Bauer
Foto rechts © Sergei Gavrylov
Duo 1:
Andreas Willers, akustische Gitarre und Matthias Bauer, Kontrabass
Im Duo Willers–Bauer vereinen sich zwei erfahrene Stimmen der improvisierten Musik zu einem einzigartigen Klang. Sie verflechten ihre kreativen Energien und ihr Vokabular in einer intuitiven, stets variablen Interaktion und schaffen eine Hörwelt voller unorthodoxer, rein akustischer Klänge, die sich zu vielschichtigen Texturen verdichten und den Zuhörenden einen lebendigen, sich permanent wandelnden Klangkosmos eröffnen. Beide haben seit den 1980er-Jahren mit vielen namhaften einheimischen und internationalen Künstler*innen in den Feldern des zeitgenössischen Jazz, der improvisierten Musik und der Neuen Musik gearbeitet und können auf eine lange Liste von Veröffentlichungen und Festivalkonzerten verweisen.
Duo 2:
Andreas Willers, elektrische Gitarre und Matthias Müller, Posaune
Matthias Müller und Andreas Willers kennen sich aus ihrer Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten der Berliner Improv- und Jazzszene. Das Improvisationsduo des Posaunisten und des Gitarristen besticht durch den überlegten Aufbau ausgewählter Texturen, verbunden mit intuitiver, dabei stets variabler Interaktion.
Zu erleben ist eine wunderbare und gekonnte Mischung aus Klangfarben, Tönen, Aktionen, Interaktionen und Reaktionen, Geräuschen und elektronischen Gitarreneffekten, die sich immer weiter vervielfältigen, ohne dass dabei der Eindruck von Wiederholungen, Rückschritten oder der bloßen Anwendung von Tricks und Kniffen entsteht. Die ständige Erneuerung der Spielweisen, Klangkombinationen und spielerischen Einfälle entfaltet sich dabei mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit.
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Isabelle Duthoit, Stimme, Klarinette (F)
Yuko Oshima, Schlagzeug (J/F)
Soizic Lebrat, Cello (F)
Fotos © Hannes Schneider
Das Trio Rouge mit der Sängerin und Klarinettistin Isabelle Duthoit, der Schlagzeugerin Yuko Oshima und der Cellistin Soizic Lebrat bewegt sich in der Tradition der freien improvisierten Musik. Ein feines Gespür für Klang und langsame, subtile Entwicklungslinien sind charakteristisch für das sich ideal ergänzende Zusammenspiel dieser Musikerinnen. Zugleich sind Behutsamkeit und ungestüme Energien bei ihnen keine Gegensätze.
Wie überhaupt in der Improvisation kommt es auch bei diesem Trio wesentlich auf die Persönlichkeit der Spielerinnen an, die sowohl ihren eigenen Ausdruck entwickeln als auch über die Fähigkeit verfügen, sich kongenial auf die Charakteristika und Impulse der anderen einzulassen. Ihr Spiel scheint einer geheimen, unausgesprochenen Dramaturgie zu folgen. Aufeinander zu hören und den Tönen ihren Raum zu geben, ist entscheidend: Musik als nicht normiertes Ritual, das dem Augenblick entspringt.
Isabelle Duthoit erhielt eine klassische Ausbildung als Klarinettistin. Sie wandte sich schon früh der zeitgenössischen Musik zu und arbeitete mit verschiedenen Ensembles und Komponist*innen zusammen. Ihr bevorzugtes Betätigungsfeld ist die freie Improvisation.
Gemeinsam mit dem Klarinettisten und Schlagzeuger Jacques Di Donato gründete sie im Jahr 1995 das Festival Fruits de Mhère - Les Champs de l'Improvisation, das sie bis 2005 kuratierte und organisierte.
Schon früh entstand bei ihr eine Faszination für die Stimme. Ihre einzigartige Gesangstechnik lässt sich als eine „Sprache vor der Sprache“ bezeichnen.
2008 war sie Residentin in der Villa Kujoyama in Kyoto (Japan), wo sie eine Solo-Vokalperformance realisierte, in die sie die Klangwelten des Noh- und Bunraku-Theaters einbezog.
Von 1997 bis 2012 unterrichtete sie Klarinette und Improvisation am Conservatoire à Rayonnement Départemental in Évry (Essonne).
Yuko Oshima begann im Alter von 18 Jahren in Japan zu musizieren. Sie entdeckte den Free Noise Rock und schloss sich der Gruppe Gakusei-Jikken-Shitsu an, die sie in die japanische Avantgarde-Szene katapultierte. Sie arbeitet mit zeitgenössischen Butôh-Tänzer*innen, Theatergruppen und improvisierenden Musiker*innen zusammen.
2000 zog sie nach Frankreich, um an der École des Percussions de Strasbourg und am Conservatoire de Strasbourg Improvisation und zeitgenössische Musik zu studieren. Seitdem arbeitet sie mit Musiker*innen aus der Jazz- und Improvisationsszene zusammen. Sie komponiert und interpretiert Musik für Bühne, Film und Theater.
Nach ihrer Ausbildung als klassische Musikerin (1. Preis am Konservatorium) und Musikhistorikerin (Doktorat an der Universität) erweiterte Soizic Lebrat ihre künstlerische Praxis um Improvisation und Komposition. Sie entwarf und realisierte auch musikalische Forschungs- und Projekträume (Ope1000, La Fabrique de musique, Cellule de bass, Continuum) sowie performative Installationen (Amours d'enfance, Double Frictional Wheel, olos uelB / Bleu solo). Sie tritt als Solistin auf (Bleu solo) und agiert vielfach in musikalischen und transdisziplinären Kooperationen.
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
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Das Programm des Offene Ohren e.V. wird gefördert vom Kulturreferat der LH München. Ein herzliches Dankeschön vom Veranstalter, den Musikern und dem Publikum!