Der Offene Ohren e.V. geht in sein unglaubliches 22. Jahr!
Die kontinuierliche strukturelle Unterstützung durch das Kulturreferat München und das Preisgeld des APPLAUS Awards, mit dem der Offene Ohren e.V. im vergangenen Herbst vom Kulturstaatsminister ausgezeichnet wurde, ermöglichen es uns, auch in dieser Saison erneut ein breit gefächertes internationales Programm anzubieten. Gerade in diesen schwierigen Zeiten für kulturelle Veranstaltungen ist das keine Selbstverständlichkeit – dafür sind wir sehr dankbar.
Hier als Download eine Terminübersicht des ersten Halbjahres: Konzerte_HJ1.pdf
Offene Ohren!
Otomo Yoshihide, Turntables [Japan]
Tom Malmendier, Schlagzeug [B]
Emilie Škrijelj, Turntables [F]
Foto © Tom Malmendier
Alles macht Geräusche, alles erzeugt Lärm. Ein faszinierendes Spektakel! Aber täuschen wir uns nicht: Das Schauspiel fesselt vor allem durch seine makellose Musikalität. Es gibt keine Wiederholungen, keine Licks, keine Routinen. Gewiss: Vokabular und Instrumentarium sind ungewöhnlich, doch aus dem Kratzen, Schaben und Reißen, untermalt von der Allgegenwart einer Trommel, die sich gnadenlos und unbeirrt ihren Weg vorwärts bahnt, entsteht eine unerschütterliche Energie mit einem tief atmenden Drone, der wie ein Herzschlag pulsiert – der vereinte Herzschlag gleichwohl der Musiker wie auch des Publikums.
Seit 2019 bilden Émilie Škrijelj und Tom Malmendier das Duo Les Marquises. Mit Akkordeon, Schlagzeug und einigen Schallplatten erschaffen sie eine ständig wechselnde, verspielte und unruhige Klanglandschaft – erfinderisch und unersättlich, ein Tanz auf akustischen Vulkanen.
Otomo Yoshihide ergänzt dieses Duo mit traumwandlerischer Sicherheit, und bringt das Japanische Element des strukturierten Noise mit ein. 2023 war er bereits im Trio mit Masahiko Satoh und Roger Turner beim Offene Ohren e.V. zu Gast. Bei diesem Konzert wird er sich auf sein zweites Hauptinstrument neben der E-Gitarre konzentrieren. Zwei Turntables, Mischpult und Elektronik sind sein Beitrag zu einem der wahrscheinlich intensivsten Klangerlebnisse im MUG.
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
![]()
Carl Ludwig Hübsch, Tuba, Stimme [D]
Phil Minton, Stimme, Trompete [GB]
Foto © Hannes Schneider
Metal Breath, damit ist eigentlich schon alles gesagt.
Der Atem – als purer stimmlicher oder durch (metallische) Tuba/Trompete gelenkter menschlicher Klangerzeuger – steht im Zentrum dieser generationenübergreifenden Duo-Performance.
Phil Minton und Carl Ludwig Hübsch tauchen gemeinsam in unbekannte Klänge ein. Blindes Vertrauen bildet die Grundlage ihrer Interaktionen. Der Raum ist offen für das Subtile, das Wilde, das Aufregende, das Magische. Eine kompromisslose, spielfreudige Musik irgendwo weit jenseits des Bekannten.
Phil Minton ist ein Sänger des Avantgarde Jazz und der freien Improvisationsmusik, der als Jazztrompeter begann. Als Vokalist gilt er mit „schier unglaublichen und unheimlichen Sounds, für die es weit und breit nichts Vergleichbares gibt“ als eine feste Größe in der Szene der freien Improvisatoren. [Bert Noglik, zit. n. Martin Kunzler, Jazz-Lexikon, https://de.wikipedia.org/wiki/Phil_Minton]
Carl Ludwig Hübsch: “Mein Spielen befasst sich mit Musik als einer Form, die in der Zeit entsteht. Der Hauptfokus liegt auf diesem Moment des Entstehens. Die Dramaturgie oder die Struktur der Musik sind ständiger Wandlung unterworfen, sie ergeben sich von selbst. Daher versuche ich vor allem, nicht im Wege zu stehen.
Die Verwendung moderner und selbstentwickelter Spieltechniken geht weit über das übliche Tuba-Klang-Klischee hinaus. Ein innovatives Klangfeld breitet sich aus, die Tuba wird aus einer neuen Perspektive dargestellt. Das Publikum?… hört sich hören.” [https://huebsch.me]
Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.
![]()
Elisabeth Harnik, Piano [A]
Dave Rempis, Saxofone [USA]
Tim Daisy, Schlagzeug [USA]
Fred Lonberg-Holm, Cello [USA]
Foto © Ludwig Sik
Zum zweiten Mal sind die Amerikaner Dave Rempis, Fred Lonberg-Holm und Tim Daisy zusammen mit der Österreicherin Elisabeth Harnik auf Europatournee.
Wenn diese vier als Earscratcher zusammenwirken, entstehen manchmal wirbelnde Klangspiralen, die Spannungsbänder zu einem veritablen Taifun verweben. Und manchmal finden wir uns im Auge dieses Sturms wieder, eingehüllt in einen Kokon konzentriert abwartender Ruhe. Zwischen diesen zwei Polen finden die Quartettmitglieder in ständigem Dialog immer wieder neue und überraschend vielfältige Verbindungsrouten.
Bereits 2019 durch die Grazer Pianistin Elisabeth Harnik initiiert, wurden erste Europatourneen in den Jahren 2020 und 2021 durch die Pandemiesituation ausgebremst. Anfang 2022 war es dann soweit. Das Resultat ist auf einer Aerophonic CD (ARO37, St. Johann 2023) nachhörbar.
Elisabeth Harniks erstaunliche Fähigkeit, ihrem Instrument ungeahnte Klänge zu entlocken, harmoniert perfekt mit dem grenzenlosen Klangspektrum, das der Sound-Alchemist Fred Lonberg-Holm seinem Cello immer wieder entlockt.
Tim Daisy ist einer der wenigen Perkussionisten, die mühelos zwischen Dynamik und Drive einerseits sowie Textur und Zartheit andererseits wechseln können und eröffnet der Band damit ein ähnlich weites Klangspektrum.
Mit dieser pastoralen Weite im Sinn beschloss Dave Rempis, sich selbst herauszufordern und sein Instrumentarium für diese Tour auf sein erstes Blasinstrument – das Altsaxophon – zu beschränken. Daher mag die Verbindung zwischen dieser Band und den kleinen Gruppen um Cecil Taylor in den 60er- und 70er-Jahren mit Jimmy Lyons deutlich werden, dessen flinke und kantige Linien zweifellos ein Vorbild für Rempis sind.
Dieses Konzert wird u.a. ermöglicht durch den Programmpreis Applaus, mit dem der Offene Ohren e.V. im November 2025 ausgezeichnet wurde.
![]()
Ab Baars, Klarinette, Tenorsax, Shakuhachi [NL]
Berlinde Deman, Tuba, Serpent [B]
Joost Buis, Posaune [NL]
Foto © Francesca Patella
BaarsBuisDeman ist ein erstaunlich breit gefächertes Bläsertrio. Von der japanischen Bambusflöte Shakuhachi über Klarinette und Tenorsaxophon bis hin zu den tiefen Blechbläserlagen von Posaune und Tuba ist jede Klangfarbe vertreten. Das Trio spielt neben freien Improvisationen auch Kompositionen und Arrangements von Ab Baars.
Das Ergebnis der Zusammenarbeit der drei Musiker ist ein Kammerjazzensemble mit der Attitüde einer kompakten Marching Band, durchzogen von der Magie der freien Improvisation. Die Hinzunahme des mittelalterlichen Serpent, eines Vorläufers der Tuba, verleiht dem Klangspektrum des Trios eine zeitlose Qualität. Diese Band jongliert perfekt und mit poetischer Sensibilität zwischen Komposition und Improvisation und revoltiert gegen alle Genrekonventionen.
Ab Baars entwickelt – neben seinem Wirken in Ensembles wie dem ICP Orchestra, Ab Baars Solo und dem Duo Baars–Henneman mit der Komponistin und Bratschistin Ig Henneman – stets neue, ambitionierte Projekte wie nun aktuell das Trio Baars–Buis–Deman.
Seine Zusammenarbeit mit dem Posaunisten Joost Buis reicht bis zum Ellington-Projekt „Kinda Dukish“ von 2005 zurück. 2020 veröffentlichten sie „Moods For Roswell“, ein Album mit Ellington/Strayhorn-Interpretationen, das dem verstorbenen Posaunenmeister Roswell Rudd gewidmet ist.
Zuletzt war er 2023 mit dem Schlagzeuger Bill Elgart und dem Bassisten Meinrad Kneer Gast beim Offene Ohren e.V. im MUG.
Joost Buis ist bekannt durch seine Band The Astronotes, die von der Musik Sun Ras inspiriert ist. Er ist ein begeisterter Ellington-Fan und mittlerweile auch Mitglied des ICP Orchestra. Das Duo Baars Buis wurde durch die belgische Tubistin Berlinde Deman zum Trio erweitert. 2024 veröffentlichten sie Cecil’s Dance.
Berlinde Deman ist eine wunderbare Bereicherung für den Klang von Baars-Buis-Deman. Bekannt wurde sie durch ihre Arbeit mit der Flat Earth Society und machte kürzlich auch im Rahmen von Dave Douglas’ Projekt Secular Psalms auf sich aufmerksam. Dort war sie auch auf der Serpent zu hören, einem mittelalterlichen Vorläufer der Tuba. Die Serpent setzt sie zunehmend auch in ihren Soloprojekten ein.
![]()
Eli Wallace. Piano [USA]
Vasco Trilla, Schlagzeug [E]
Pablo Vazquez, Bass [Argentinien]
Foto links/mittig © Hannes Schneider | Foto rechts © Pablo Vazquez
Dieses Trio aus Klavier, Bass und Schlagzeug tritt im Rahmen seiner Europatournee erstmals gemeinsam auf. Bereits 2024 tourten Eli Wallace und Pablo Vazquez mit derselben Besetzung durch Europa, damals allerdings mit dem argentinischen Schlagzeuger Marcelo von Schultz.
Angesichts der Musikalität und des professionellen Spiels seiner Instrumente können wir vom Trio Wallace–Vazquez–Trilla Folgendes erwarten:
ein Feuerwerk individueller Ideen, die im ständigen Zusammenspiel zu einem mitreißenden Meisterwerk verschmelzen, angereichert mit subtilen Soli.
Eine Neuerfindung des Jazz-Trios!
Eli Wallace ist Pianist, Improvisator und Komponist und lebt in Brooklyn, New York. Er leitet eigene Projekte, arbeitet mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen und war Mitkurator der interdisziplinären Konzertreihe Invocation in Brooklyn.
Seine Arbeit als Pianist zeugt von seinem breiten Erfahrungsschatz aus Klassik, Jazz und freier Improvisation. Er verwendet aufwendige Klavierpräparationen. Seine Kompositionen nutzen Notationsstrategien, um die Klangerzeugung und die Interaktion der Musiker zu bereichern.
Eli Wallace ist den Münchner Improvisationsfans bereits bekannt. 2024 gab er im Rahmen der Konzertreihe des Offene Ohren e.V. ein wunderschönes Solokonzert im MUG.
Pablo Vazquez (Buenos Aires, Argentinien) spielt Kontrabass, E-Bass und elektronische Instrumente. Er gab Konzerte und tourte in Südamerika und Europa. In unterschiedlichen Kontexten arbeitete er unter anderem mit Albert Cirera, Amanda Irarrazabal, Hui Chun Lin, John Hughes, Yedo Gibson, Luis Vicente, Gustavo Obligado, Miguel Mira, dem Jorge Torrecillas Ensemble. Seine Musik wurde von Discordian Records (Barcelona, Spanien) und Creative Sources (Lissabon, Portugal) veröffentlicht.
Vasco Trilla (Barcelona, Spanien) ist Schlagzeuger und Improvisationsmusiker. Er hat über 100 Alben aufgenommen, die von freier Improvisation über Jazzrock bis hin zu Progressive Rock Metal und Ambient reichen.
Neben seiner umfangreichen Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Ensembles hat er mehrere international veröffentlichte Soloalben vorgelegt, in denen er sich intensiv mit erweiterten Spieltechniken und klanglichen Möglichkeiten des Schlagzeugs auseinandersetzt.
Seine Arbeit ist geprägt von Fantasie, genreübergreifende musikalischer Erfahrung und das ständige Bestreben, die Grenzen seines Instruments zu erweitern.
Vasco Trilla ist seit vielen Jahren Teil der europäischen Improvisationsszene und war zuletzt im Mai 2025 beim MMI-Festival in München zu Gast.
Dieses Konzert wird u.a. ermöglicht durch den Programmpreis Applaus, mit dem der Offene Ohren e.V. im November 2025 ausgezeichnet wurde.
![]()
Karin Johansson, Piano [S]
Paul Jarret, Gitarre [F]
Donovan von Martens, Bass [S]
Foto
© Donovan von Martens
Hemisfär ist ein Ensemble dreier improvisierender Saiteninstrumentalist*innen. Ihre Musik besteht aus einer Reihe konzentrierter und verdichteter Situationen, in denen die Schwingungen, die auf und neben den Saiten entstehen, aus verschiedenen Vorbereitungen und Eingriffen resultieren.
Hin und wieder klingt das Gespielte wie völlig andere Instrumente, als würde jemand Klarinette spielen oder Bambusflöten blasen.
Improvisation wird zu Komposition, und Komposition wird zu Klangmalerei, die die Fantasie beflügelt und zu einer grenzenlosen Erkundung des Klanglichen anregt. Man hört Anklänge an verschiedene Traditionen: Morton Feldmans Minimalismus, Derek Baileys freies Spiel, Claude Debussys Impressionismus. Doch die Schärfe der Musik ist nicht das Ergebnis stilistischer Reinheit. Sie entspringt der offenen und unvoreingenommenen Haltung gegenüber dem, was beim gemeinsamen Musizieren erklingt.
2024 erschien beim schwedischen Musiklabel Havtorn Records ihr Album Hemisfär.
Karin Johansson (Göteborg, Schweden) ist Pianistin und Komponistin und bewegt sich in einem breiten Spektrum improvisierter Musik, Free Jazz und zeitgenössischer Musik. Sie arbeitet mit präpariertem Klavier und alternativen Spieltechniken. Bereits 2021 war sie mit dem schwedischen Trio Quagmire Gast des Offene Ohren e.V..
Paul Jarret (Paris, Frankreich) ist ein junger Gitarrist und Komponist, der hauptsächlich Jazz und improvisierte Musik spielt. Er beherrscht sowohl Jazzstandards als auch radikale freie Improvisation und ist als Bandleader, Co-Leader oder Sideman an zahlreichen Projekten beteiligt.
Donovan von Martens (Göteborg, Schweden) ist Musiker, Komponist, Filmfotograf und Regisseur. Er ist national und international mit Komponisten, Tänzern und Künstlern zusammen aktiv.
![]()
Urs Leimgruber, Sopransaxofon [CH]
Jacques Demierre, Piano, Spinett [CH]
Thomas Lehn, Analog-Synthesizer [D]
Toshimaru Nakamura, No-Input Mixing Board [Japan]
Bryan Eubanks, Saxofon, Elektronik [USA/D]
Gert-Jan Prins, Perkussion, Elektronik [NL]
Tetuzi Akiyama, Gitarre [Japan]
Tatsuya Yoshida, Schlagzeug [Japan]
Risa Takeda, Piano, Synthesizer [Japan]
Camila Nebbia, Saxofon [Argentinien/D]
Chris Corsano, Schlagzeug [USA]
Izumi Kimura, Piano [Japan/CH]
Barry Guy, Bass [GB/CH]
Gerry Hemingway, Schlagzeug [USA/CH]
![]()
![]()
Das Programm des Offene Ohren e.V. wird gefördert vom Kulturreferat der LH München. Ein herzliches Dankeschön vom Veranstalter, den Musikern und dem Publikum!