Offene Ohren e.V. präsentiert Improvisationsmusik in München

Liebe Freundinnen und Freunde improvisierter Musik,

das Team des Offene Ohren  e.V. macht Sommerpause, bis Samstag, den 05.09.2026.

Zum Auftakt unseres Herbstprogramms besucht uns an diesem Samstag – im Jahr seines 75. Geburtstags – der australische Geiger Jon Rose mit seinem Projekt Colophony. Mit dabei sind der Bassist Meinrad Kneer und der Elektroniker Richard Barrett.

Jon Rose war bereits vor unglaublichen 20 Jahren beim Offene Ohren e.V. zu Gast: im Trio FUTCH mit Thomas Lehn und Johannes Bauer. Dieses Konzert kann man heute noch auf CD nachhören: JazzWerkstatt JW010 www.jazzwerkstatt.eu

Es ist jedoch nur eines von mehr als drei Dutzend Konzerten des Offene Ohren e.V., die auf offiziellen Tonträgern erschienen sind. Eine vollständige Übersicht findet sich hier: Improvisationsmusik zum Weiterhoeren.

Wer über den Sommer lieber Live-Improvisationsklänge hören möchte, kann gerne in unserer Festivalübersicht stöbern.

Und hier, für Neugierige, ein Blick auf unser (aktualisiertes!) Herbstprogramm, vorerst als pdf-Terminübersicht zum Herunterladen: OffeneOhren_eV_Vorschau_Herbst2026.pdf

Offene Ohren!

 

Samstag, 05. September 2026  20:00 Uhr

MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur

Colophony

Colophony

Jon Rose, Violine, Tenorvioline(AUS)
Richard Barrett, Elektronik (GB)
Meinrad Kneer, Bass (D)
Foto © Bärbel Schnellen

2012 kamen Jon Rose, Meinrad Kneer und Richard Barrett in Berlin erstmals in dieser Formation zusammen. Die Wucht und musikalische Dichte der Begegnung überzeugten Musiker wie Publikum – der Entschluss, als Trio weiterzuarbeiten, fiel noch am selben Abend. Seither erforschen sie die spontanen Verflechtungen von Streichinstrumenten und Elektronik.

Die Empfindsamkeit aller drei Künstler für Timbre und Form lässt eine Musik entstehen, die akribisch das mikroskopische Leben einer Textur erkundet oder spontan zwischen feinen Klangnuancen und rauen Kollisionen hin- und herspringen kann.

Der Improvisationskünstler Jon Rose (1951) spielt Violine, (selbstgebaute) Streichinstrumente aller Art und sogar Drahtzäune, die er mit dem Geigenbogen zum Klingen bringt. Der Wahlaustralier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren mit unterschiedlichsten musikalischen Genres und wurde zu einer prägenden Figur der australischen Improvisationsszene.
Seit Anfang der 1980er-Jahre entwickelt Jon Rose sein Langzeitprojekt „The Relative Violin“ als Gesamtkunstwerk (total artform), das neue Instrumentenformen, Spieltechniken und interaktive Elektronik umfasst. Eng damit verbunden ist sein Rosenberg Museum, das unter anderem selbstgebaute und neu konzipierte Streichinstrumente beherbergt.
Jon Rose arbeitet zudem als Autor, Kurator und Hörspielmacher. Er hat mit zahlreichen Größen der internationalen Improvisationsszene kooperiert.

Meinrad Kneer(1970) ist Kontrabassist, Komponist, Improvisator, Bandleader sowie Labelbetreiber. Musikalisch bewegt er sich zwischen Jazz, improvisierter, zeitgenössischer und ethnischer Musik. Nach seinem Studium in Hilversum und Amsterdam lebte er in den Niederlanden, 2012 zog er dann nach Berlin. Seine stilistische Vielseitigkeit führte zur Zusammenarbeit mit Musiker*innen verschiedenster Stilrichtungen. Er trat u.a. mit folgenden Ensembles auf: Ab Baars Quartet, Henneman String Quartet, KNM Ensemble, Ensemble Resonanz und Marc Sinan Company. Seit 2006 betreibt er das Label für improvisierte Musik „Evil Rabbit Records“. Seit 2025 ist er künstlerischer Leiter des neu gegründeten Festival für aktuelle Musik FEST:Spiele Oberschwaben, das er gemeinsam mit Susanne Fröhlich und Marc Sinan kuratiert.

Richard Barrett (1959) ist international als Komponist und improvisierender Musiker tätig und hat mit zahlreichen führenden Interpret*innen in beiden Bereichen zusammengearbeitet. In seinen Werken und musikalischen Ideen verlieren die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation zunehmend an Bedeutung. Im Bereich Neue Musik arbeitet er seit 1990 regelmäßig mit dem australischen ELISION Ensemble zusammen und ist zudem im Elektronik-Duo FURT mit Paul Obermayer aktiv. Seit 2003 spielt er regelmäßig im Evan Parker Electro-Acoustic Ensemble. Richard Barrett studierte Komposition hauptsächlich bei Peter Wiegold und lehrt heute am Institut für Sonologie in Den Haag. Außerdem ist er Professor für Research in Creative Music an der Universität Leiden; zuvor hatte er eine Professur an der Brunel University in London.

Colophony wird von Creative Australia, der nationalen australischen Kulturförderinstitution, gefördert.


Site Creative Australia

Dieses Konzert wird u.a. ermöglicht durch den Programmpreis Applaus, mit dem der Offene Ohren e.V. im November 2025 ausgezeichnet wurde.

Site Applaus-Award

Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.

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Dienstag, 08. September 2026  20:00 Uhr

MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur

幽けき刻 – Kasokeki Toki

Kasokeki Toki

Kanon Aonami, Saxophon
Fumi Endo, Piano
Toru Nishijima, Kontrabass
Foto © Nishioka Hiroki

Das japanische Trio „Kasokeki Toki“ (Ein flüchtiger Moment) wurde 2022 auf Initiative von Toru Nishijima gegründet. Der Name verweist auf einen Augenblick, der so flüchtig ist, dass er beinahe schon wieder verschwunden ist.

Das Trio versucht, die Beziehung zwischen Ort, Raum und den darin anwesenden Menschen hörbar zu machen; dabei bewegt es sich zwischen Komposition – die als eine Art Rahmen dient – und freier Improvisation. Nicht um etwas „auszudrücken“, sondern einfach um zu „sein“.

Jedes der drei Mitglieder bewegt sich in seiner eigenen, unabhängigen Welt – ohne einander etwas zu erklären, ohne einander zu vervollständigen, ohne Hierarchie – und doch existieren diese drei unabhängigen Welten gleichzeitig. Entscheidend ist nicht das, was geschehen soll, sondern das, was von selbst geschieht: Klänge entstehen, als wären sie immer schon dagewesen, und verschwinden, bevor man es bemerkt.

„Einfach präsent sein, genau hinhören, warten.“ Zwischen Kontrolle und Hingabe verweilen, zwischen Absicht und dem, was einfach geschieht. Was sich daraus entwickelt, bleibt offen – für Musiker und Zuhörer gleichermaßen. Kasokeki Toki ist nichts Abgeschlossenes, sondern die Spur von etwas im Entstehen – die Bewegung des Klangs, bevor er Bedeutung erhält, sowie die Zeit und der Raum, die diesem Moment unmittelbar vorausgehen.

Toru Nishijima wurde 1973 in Tokio geboren. Er begann im Alter von fünf Jahren Geige zu spielen und wechselte während seiner Highschool-Zeit zum Bass. Mit Jazz und argentinischem Tango als musikalische Grundlage arbeitet er seit vielen Jahren in unterschiedlichen Ensembles und Projekten der japanischen Musikszene. Dabei ist er genreübergreifend in einem breiten musikalischen Spektrum tätig. Seit 2014 hat er mehrere CDs in unterschiedlichen Besetzungen veröffentlicht, vom Solo bis zum Quartett, zuletzt 2024 mit seinem eigenen Trio-Projekt Kasokeki Toki.

Kanon Aonami, 1994 in Yokohama geboren, ist Altsaxophonistin und Komponistin und bewegt sich zwischen Jazz und improvisierter Musik. Neben freien Improvisationen spielt sie auch eigene Kompositionen. Im Februar 2026 war sie gemeinsam mit Fumi Endo Teil eines Ensembles des dänischen Gitarristen Jakob Bro und spielte mit ihm, Chris Speed, Thomas Morgan und Mads Emil Nielsen sechs Konzerte in Dänemark. Bro hatte Aonami und Endo zuvor live in Tokio gehört und sie daraufhin für das Projekt eingeladen.

Fumi Endo (1993) tritt seit 2017 auf und bewegt sich als Pianistin zwischen freier Improvisation, experimenteller Musik und Jazz. Charakteristisch ist ihre unverwechselbare, minimalistische Spielweise. 2023 erschien ein Interview mit ihr im japanischen Online-Musikmagazins JazzTokyo.

Kasokeki Toki wird gefördert durch Arts Council Tokyo (Startup Grant).
Site Arts Council Tokyo

Dies ist die erste Tournee des Trios außerhalb Japans und zugleich sein Deutschland-Debüt in München. Hörbeispiele: Kasokeki Toki (幽けき刻) – Toru Nishijima, Kanon Aonami & Fumi Endo, Relativa Records, 2024. [Auf YouTube anhören]

Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.

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Freitag, 09. Oktober 2026  20:00 Uhr

MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur

The Cliffhanger Trio

Roder Schick Steidle

Jan Roder, Bass (D)
Ignaz Schick, Alt- und Tenorsax (D)
Oliver Steidle, Schlagzeug (D)
Foto © Viola Förster von der Lühe

Dieses Akustik-Trio besteht aus drei wichtigen Musikern der heutigen Berliner Jazz-, Improvisations- und Experimentalmusikszene. Normalerweise ist Ingebrigt Håker Flaten der Bassist des Trios; aus terminlichen Gründen übernimmt Jan Roder bei einem Teil der aktuellen Tour seinen Part.

Auch diese drei Musiker kennen sich seit Jahren aus unterschiedlichen musikalischen Konstellationen Soko Steidle, Die Dicken Finger, Die Feuchte Hand, SSRF, …), in dieser Besetzung spielen sie jedoch zum ersten Mal zusammen.

Das lyrisch-energetische Altsaxofon von Ignaz Schick trifft auf den heftig pulsierenden Bass von Jan Roder und das rhythmisch extrem ausdifferenzierte Schlagzeugspiel von Oliver Steidle. Dieses wunderbar frische Trio hat sich ganz den Wurzeln des Free Jazz und der freien Improvisation verschrieben.
Die daraus resultierende Musik ist pur, melodisch, rhythmisch, energiegeladen, überraschend und in der Tradition verwurzelt.

Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.

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Freitag, 16. Oktober 2026  20:00 Uhr

MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur

Taiwan Improvisationsprojekt "Tradition und Transformation"

In dieser vielschichtigen Begegnung treffen das taiwanesische Ensemble 3PEOPLEMUSIC und der Münchner Improvisator Gunnar Geisse im Raum der freien Improvisation erstmals aufeinander.

3PEOPLEMUSIC bringt die facettenreiche Klangwelt ostasiatischer Instrumente in einen zeitgenössischen Kontext und öffnet sie für neue experimentelle Spieltechniken.
Im Zusammenspiel mit Gunnar Geisse, der mit seiner spartenübergreifenden Ästhetik und seinem elektroakustischen Instrumentarium komplexe Klangtexturen webt, entsteht ein dynamischer Dialog. Gemeinsam erkunden die vier Performer das Spannungsfeld zwischen akustischem Ursprungsklang, elektronischer Transformation und dem unvorhersehbaren Moment – ein spontanes, im Augenblick entstehendes Hörerlebnis.

3PeopleMusic

三個人 - Sān gèrén - 3PeopleMusic
JEN Chung, Dizi und Xia (chinesische Bambusflöten) [Taiwan]
KUO Jing-mu, Guzheng (chinesische Zither)[Taiwan]
PAN I-tung, Zhongruan (chinesische Laute) [Taiwan]
Foto © Eric Van Nieuwland

3PEOPLEMUSIC ist ein einzigartiges Kammermusik-Ensemble, das sich aus drei Musikern zusammensetzt, die auf traditionelle chinesische Instrumente spezialisiert sind: dem Guzheng-Künstler KUO Jing-mu, der Zhongruan-Spielerin PAN I-tung und dem Dizi- und Xiao-Interpret JEN Chung. Die Gruppe verbindet fundiertes Fachwissen über klassische chinesische Musik mit zeitgenössischen Perspektiven.

Seit seiner Gründung im Jahr 2013 setzt sich 3PEOPLEMUSIC für eine vielversprechende Zukunft der traditionellen chinesischen Instrumente in der aktuellen taiwanesischen Musikszene ein. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Aspekten wie Aufführungsformen, Kompositionsstilen sowie der eigenen Außendarstellung und Markenbildung.

Dank herausragender spieltechnischer Fähigkeiten, eines facettenreichen und kultivierten Klangspektrums sowie eines Repertoires, das unterschiedlichste Stile und Genres umfasst, bewegt sich das Trio mühelos zwischen Improvisation und genreübergreifenden Darbietungen sowie zwischen zeitgenössischen Werken und Weltmusik. Seine Auftritte überbrücken Generationen und Grenzen und demonstrieren eindrucksvoll die enorme Vielseitigkeit traditioneller Musik und Instrumente.

In den letzten Jahren hat 3PEOPLEMUSIC nicht nur in Taiwan Fuß gefasst, sondern auch internationale Anerkennung erlangt – unter anderem durch Auftritte beim Kunstfest Weimar und bei der Kultur-Olympiade in Paris 2024 sowie durch eine Tournee durch Kanada im Jahr 2025.

Hörbeispiele auf YouTube: www.youtube.com/user/3peoplemusic


Gunnar Geisse

Gunnar Geisse, Laptop-Gitarre
Foto © Werner Siebert

Gunnar Geisse ist Musiker, Improvisator, Komponist und Performer im Bereich der experimentellen und improvisierten Musik, der Elektronik sowie der Neuen Musik. Er hat ein komplexes Instrumentarium entwickelt, das aus E-Gitarre, elektronischer Klangerzeugung und digitaler Signalverarbeitung besteht und das er als „Laptop-Gitarre“ bezeichnet.
Die Bedeutung seines Ansatzes wird in dem BuchMusik und Wirklichkeit(Schott) des Musikphilosophen Harry Lehmann erörtert und theoretisch reflektiert.

Geisse hat mit nahezu allen renommierten deutschen Sinfonieorchestern sowie mit internationalen Improvisatoren und Künstlern aus aller Welt zusammengearbeitet, darunter Eivind Aarset, Richard Barrett, Peter Brötzmann, Marc Ducret, Vinko Globokar, Barry Guy, Joëlle Léandre, George Lewis, Phil Minton, David Moss, Olga Neuwirth, Lauren Newton, Phill Niblock, Evan Parker, William Parker, Giancarlo Schiaffini, Elliott Sharp, Markus Stockhausen, Mike Svoboda, Gary Thomas und Wu Wei.

Seine Arbeit als Komponist und Interpret ist auf über 40 CDs sowie in 30 Hörspielen dokumentiert. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen die Präsentation seines Stücks rhythm changes durch das IRCAM an der New York University im Rahmen des IRCAM-Forums in New York, elektronische Transformationen von Werken Bartóks und Debussys mit den Münchner Philharmonikern sowie seine bei NEOS erschienene Solo-CD Triptych.

Das Taiwan Improvisationsprojekt wird vom taiwanesischen Kulturministerium unterstützt

 

Veranstaltungsort: MUG – Münchner Untergrund im Einstein Kultur
Eintritt: 20 Euro, Mitglieder Offene Ohren e.V. 15 Euro, freier Eintritt bis 21 Jahre (inklusive)
Die Abendkasse öffnet ca. 19:30 Uhr.

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Logo Kulturreferat LH München

Das Programm des Offene Ohren e.V. wird gefördert vom Kulturreferat der LH München. Ein herzliches Dankeschön vom Veranstalter, den Musikern und dem Publikum!

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zuletzt aktualisiert am 17.08.2026